Dass die Regierung einer Weltmacht in großem Umfang mit Memes und KI-Bildern kommuniziert, ja ihre Politik von vornherein darauf anlegt, memifizierbar zu sein, wäre bis vor kurzem unvorstellbar gewesen. In den USA ist das seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump der Fall. Das bedeutet, dass selbst härteste politische Entscheidungen in pointierte Unterhaltungsformate übersetzt und so in ihrem Charakter kaschiert werden. Es heißt aber auch, dass die eigenen Anhänger und „Meme Warriors" ihrerseits fortwährend Memes in Umlauf bringen, mit denen sie die jeweilige Politik unterstützen und oft noch weiter verschärfen. Der Vortrag analysiert diese neuartige Form von Bildpolitik und ihren Ort: Social Media-Plattformen, in denen die darwinistische „survival of the fittest“-Logik als Modell für die Gesellschaft und das politische System insgesamt fungiert.
Wolfgang Ullrich, geb. 1967, lebt als Kulturwissenschaftler und freier Autor in Leipzig. Publikationen zur Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, zu bildsoziologischen Themen sowie zu Konsumtheorie. Mitherausgeber der Buchreihe „Digitale Bildkulturen“ im Verlag Klaus Wagenbach. - Jüngste Buchpublikationen: Selfies. Die Rückkehr des öffentlichen Lebens (2019); Feindbild werden. Ein Bericht (2020); Die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie (2022); Identifikation und Empowerment. Kunst für den Ernst des Lebens (2024); Memokratie. Soziale Medien und autoritäre Bildpolitik (2025). Mehr unter www.ideenfreiheit.de.
Wolfgang Ullrich wurde im Rahmen eines Seminars von Daniel Hornuff eingeladen.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.
Portraitfoto: Neven Allgeier