Im November 2025 brachte die 7. und letzte Ausgabe des Berliner Herbstsalons im Maxim-Gorki-Theater unter dem Titel „RE:IMAGINE: THE RED HOUSE – INVENTORIES / INTERVENTIONS / INVENTIONS“ langjährige Kooperationspartner*innen und neue künstlerische Positionen zusammen, um kritische künstlerische Praktiken, Kämpfe und Formen des Widerstands im Blick auf die Gegenwart und die Zukunft neu zu betrachten, neu zu ordnen und neu zu denken.
Wie der Titel andeutet, wurde das „Rote Haus“ zum Ausgangspunkt für eine Neuvergegenwärtigung der Zukunft: ein von Telefunken errichtetes Arbeiterinnenwohnheim in der Stresemannstraße 30. Seine Geschichte eröffnete den Zugang zu den Lebensgeschichten der ersten Generation von Frauen, die in den 1960er Jahren als Arbeitskräfte aus der Türkei nach Deutschland migrierten. Was mit kleinen Schritten des Sammelns und des Aufbaus von Dialogen begann, entwickelte sich nach und nach zu einem Archiv, das komplexer war als ursprünglich gedacht – einem Archiv, das weiterhin neue Geschichten, Begegnungen und Formen der Ausstellungsgestaltung hervorbringt.
Der Vortrag wird diesen Prozess anhand mehrerer Ausstellungen in Berlin und Istanbul nachzeichnen und dabei den Fokus auf die kuratorischen und produktionstechnischen Praktiken legen, die mit dem Aufbau eines sich ständig weiterentwickelnden Archivs und der Zusammenführung von Kunstwerken verbunden sind, die sich mit dessen Geschichten auseinandersetzen. Wie treten persönliche Archive, veröffentlichte Materialien und künstlerische Medien in einen Dialog, und wie verändern sich Geschichten, wenn sie gesammelt, vermittelt, ausgestellt und neu interpretiert werden?
Maral Müdok ist Künstlerin und Kulturvermittlerin, deren Arbeit sich mit verschiedenen Formen des Erzählens im Rahmen kollaborativer Forschungs- und Produktionsprozesse auseinandersetzt, insbesondere im Zusammenhang mit Ausstellungen, Filmen und Performances. Mit dem Schwerpunkt auf Erinnerung und Zeitlichkeit setzt sich Müdok mit dem Archiv – sei es persönlich oder institutionell – auseinander und behandelt es sowohl als Gegenstand kritischer Untersuchung als auch als künstlerisches Material. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im MAK Frankfurt und in der Schwankhalle Bremen ausgestellt. Von 2025 bis 2026 war sie als kuratorische Assistentin für den 7. Berliner Herbstsalon am Maxim-Gorki-Theater in Berlin tätig.
Maral Müdok wurde von der Vallejos-de Bruijne Klasse eingeladen.
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
Abbildungen:
Photo: Heinz O. Jurisch
Ausstellungsansicht, 7. Berliner Herbstsalon, Photo: Egbert Trogemann