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Hanna Krüger
As if the world were otherwise. Spekulative Modelle, Ausstellungen und das Kuratorische
3.11.26, 18:00 Uhr
TRACES Forschungsstation auf dem Lutherplatz

Modelle können physische und gedankliche Formen annehmen: Sie werden gebaut, gefaltet, gezeichnet oder digital erzeugt; sie strukturieren aber auch Vorstellungen, Wissen und mögliche Handlungen. In beiden Fällen sind sie keine neutralen Abbilder einer Welt, die ihnen vorausgeht. Sie entstehen im Bauen und Erproben ebenso wie im Denken und Vorstellen; sie wählen aus, ordnen an, erzeugen Widerstände und eröffnen Möglichkeiten.
Der Vortrag überträgt diese Überlegungen auf das Ausstellen als kuratorische und gestalterische Praxis des Anordnens und In-Beziehung-Setzens. Er schlägt vor, Ausstellungen als spekulative Modellräume zu verstehen, die eine eigene Existenzweise entfalten. Sie sind mehr als Orte der (Re)Präsentation und mehr als rein fiktionale Versuchsanordnungen: Sie verweisen auf Welt, Geschichte und Wissen und bringen zugleich im Hier und Jetzt reale räumliche, materielle und soziale Konstellationen hervor. Indem sie Bilder, Dinge, Texte, Körper, Geschichten und Räume miteinander in Beziehung setzen, strukturieren sie Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit, Wissen und Teilhabe. Sie entwerfen damit auch Erzählwelten: Sie verbinden, unterbrechen und überlagern Geschichten und entscheiden mit darüber, was als erzählbar, sichtbar und erinnerbar gilt.
Ausgehend von der Frage What if? untersucht der Vortrag, wie kuratorische und gestalterische Praxis bewegliche Konstellationen eröffnet, in denen sich andere Räume des Denkens und der Beziehung bilden. Auswahl, Maßstab, Material und Anordnung können vertraute Ordnungssysteme — etwa Chronologie, Kanon, Autor*innenschaft oder die Trennung von Natur und Kultur — sichtbar machen, bestätigen oder verschieben. An Beispielen aus der eigenen Ausstellungspraxis sowie anhand von Überlegungen zu Materialität, geologischen Zeiträumen und mehr-als-menschlichen Beziehungen untersucht der Vortrag, wie Ausstellungen Wirklichkeit nicht nur darstellen, sondern als reale Orte anderer Beziehungen mit hervorbringen können.

Hanna Krüger, geboren 1979 in Berlin, studierte Produktdesign an der Kunsthochschule Kassel sowie Kulturen des Kuratorischen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Sie arbeitet als Designerin, Ausstellungsarchitektin und Kuratorin und leitet gemeinsam mit Jakob Gebert das Kasseler Designstudio Gebert & Krüger.
Ihre Arbeit bewegt sich an den Schnittstellen von Gestaltung, Kunst, Kulturtechniken sowie naturkundlichen Sammlungen und Wissenspraktiken und ist geprägt von einer transdisziplinären Herangehensweise. Hanna Krüger untersucht, wie Materialien, Räume, Bilder und Erzählungen Wissen, Wahrnehmung und Beziehungen formen. In Ausstellungsprojekten verbindet sie künstlerische, gestalterische und kuratorische Perspektiven zu räumlichen Erzählungen, in denen ästhetische, kulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen miteinander in Beziehung treten.
Mit Gebert & Krüger realisierte sie Ausstellungsprojekte unter anderem für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das MAK Wien, die GRIMMWELT Kassel und die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Darüber hinaus ist sie immer wieder in der Hochschullehre tätig, unter anderem an der Kunsthochschule Kassel und an der Burg Giebichenstein Halle.

Hanna Krüger wurde vom Fachgebiet Ausstellungsdesign eingeladen.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.

Abbildungsnachweis: Hanna Krüger